Faschismus-“Forschung“

Rein äußerlich vermitteln sie den Anschein einer seriösen Forschungsinstitution. Bei näherer Betrachtung offenbart sich dann die Notwendigkeit eines Spagats, der kaum gelingen kann, dem Spagat zwischen Erforschung des Faschismus und Antifaschismus.

Der Name „Berliner Institut für Faschismus-Forschung“ (kurz BIFFF) klingt nach einer seriösen Institution. Man assoziiert als Tätigkeitsfeld die Untersuchung der Ursachen des Faschismus in der Weltgeschichte, vielleicht auch noch die Aufarbeitung der deutschen Geschichte und Aufklärung. Salopp gesagt, klingt das also nach einer guten Sache.

Diese Bezeichnung, die eine öffentliche oder zumindest unabhängige (Bildungs-) Einrichtung vermuten lässt, ist aber nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich handelt es sich nämlich um einen Verein: „Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion“. Vereinsvorstand ist Peter Kratz, ein Diplom-Psychologe. Außerdem ist er Autor der Zeitschrift „konkret“, die sich selbst als „einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands“ versteht.

Verein und Vorstand müsste also ein Spagat zwischen linker Einstellung und neutraler und unabhängiger Forschung gelingen, wenn der anfangs seriöse Eindruck bestätigt werden soll. Forschung soll methodisch und systematisch zu neuen Erkenntnissen führen. Eine unvoreingenommene Grundhaltung ist dafür sicher förderlich, meint jedenfalls der gesunde Menschenverstand.

Die Kombination aus objektiver Forschung und Antifaschismus impliziert, dass sich die Untersuchungen von vornherein gegen den Gegenstand derselben richten. Dass der Spagat Erfolg haben könnte, ist nur schwer vorstellbar.

Für BIFFF haben antifaschistische Aktionen offenbar besondere Priorität, doch unter dem Deckmantel der Forschung bleiben sie relativ verborgen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Medien die Publikationen des Vereins weitestgehend ungeprüft übernehmen. Geschehen ist dies 2005, als in Berlin ein vorrangig von Homosexuellen besuchtes Fetischtreffen in Berlin stattfand. Ein Flugblatt, was nebenbei bemerkt keine übliche Form der Publikation von Forschungsergebnissen ist, entwickelte sich zum Skandal: Kratz meinte, Verbindungen zur rechten Szene gefunden zu haben und warf den Fetischanhängern Verharmlosung von Vergewaltigungen, Militarismus und Rassismus vor. Angeblich enthielt auch das Sortiment eines Werbepartners des damaligen Treffens neonazistische Pornocomics.

Ein gewisser propagandahafter Populismus zieht sich durch die gesamte Breite der Publikationen. Auf der Internetseite des Vereins ist von der „SPD rechts außen“ die Rede, wobei im gleichen Atemzug auch die Linkspartei genannt wird. Wenn es um die rot-rote Regierungskoalition in Berlin geht, liest man zum Beispiel von der „Freak-Show des Wowereit-Senats“ oder den „Wowi-Zombies“.

Man kann eine gewisse Paranoia des Vereins vermuten, wenn jetzt auch eine Kulturveranstaltung im als links geltenden Berliner Club „SO 36″ in die Schusslinie des Vereins gerät: Das „Pagan-Fest“, eine Metalveranstaltung, sieht sich gerade massiven Angriffen und dem Vorwurf des Rechtsextremismus ausgesetzt. Dieser Vorwurf trifft die gesamte Szene, aufgebrachte Reaktionen der Metalfans werden unter der Überschrift „Die straff organisierte, schnell mobilisierbare Nazi-Neuheiden-Szene macht mobil“ zur Schau gestellt.

Es scheint, als lasse der Verein keine Gelegenheit aus, Faschismus und Nazismus aufzudecken, wo er auch nur im entferntesten zu erahnen ist. Differenzierte Betrachtungen liegen den BIFFF-“Forschungen“ fern. Es handelt sich also offenbar nur um antifaschistische Aktionen, die so radikal sind, dass sie sich in Art und Weise schon wieder der anderen extremen Seite annähern: In einem Internetforum, die mit Meinungen bekanntermaßen nicht geizen, wurden die BIFFF-Anhänger als „rotlackierte Faschisten“ bezeichnet. Angesichts der diffamierenden Äußerungen des Vereins ist diese Haltung sicherlich nachvollziehbar.

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